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Wizz Air und Ryanair ab Vilnius und Warschau: Wer lügt beim „Zehn-Euro-Ticket"?
Der Grundtarif ist ein Köder. Den echten Preis bestimmen Ihr Rucksack und der Fensterplatz.
Das Ticket für 9,99 Euro existiert. Nur werden Sie damit nicht so fliegen, wie Sie sich das vorstellen – zumindest nicht so. Denn in diesem Tarif passt noch nicht mal Ihre Jacke, wenn Sie sie in einer Tasche mit in die Kabine nehmen wollen. Genau hier beginnt die echte Kalkulation.
Schauen wir uns das ehrlich an. Sowohl bei Wizz Air als auch bei Ryanair ist im Grundtarif exakt eine kleine Tasche unter dem Vordersitz inbegriffen. Bei Ryanair sind das 40×20×25 cm, bei Wizz Air 40×30×20 cm. Also ein kleiner Rucksack oder eine Handtasche. Das war's. Ein Kabinentrolley ins Gepäckfach – das kostet extra, und genau hier wird es interessant.
Bei Wizz Air kostet normales Handgepäck (55×40×23 cm, bis 10 kg) je nach Flug, Datum und dem Zeitpunkt der Buchung zwischen rund 5 und etwa 40 Euro pro Strecke – der Preis schwankt dynamisch. Bei Ryanair schlägt die vergleichbare Priority-Tasche (55×40×20 cm) mit ungefähr 6–30 Euro zu Buche. Das Schlüsselwort ist „ungefähr", denn beide Airlines steuern diese Beträge dynamisch, und auf einem beliebten Sommerflug von Vilnius nach Alicante kann der Gepäckaufschlag den eigentlichen Ticketpreis mühelos übersteigen.
Wo die zweite Falle lauert
Die Sitzplatzzuweisung. Wer keinen Platz bucht, dessen Reisegruppe aus drei Personen landet an drei verschiedenen Enden des Flugzeugs – das ist keine Paranoia, das ist das Geschäftsmodell. Bei Ryanair beginnt die Sitzplatzwahl bei etwa 4–5 Euro für den günstigsten Heckplatz und steigt auf 15–20 Euro für Plätze an den Notausgängen. Wizz Air spielt nach denselben Regeln: einfache Plätze ab wenigen Euro, Sitze mit mehr Beinfreiheit entsprechend teurer.
Rechnen wir jetzt zusammen. Nehmen wir eine typische Route für Reisende aus Belarus: Vilnius – Barcelona, hin und zurück, mit einem Handgepäckstück fürs Überfach und einem gebuchten Sitz neben dem Reisebegleiter.
- Ryanair: Grundtarif + Priority (Gepäck + Boarding-Priorität) für beide Strecken + Sitzplatz. Das Priority-Paket ist praktisch, weil es Gepäck und Boarding in einem abdeckt.
- Wizz Air: Hier werden Gepäck und Sitzplatz häufig separat berechnet; wer alles einzeln bucht, kann am Ende mehr zahlen – allerdings bietet Wizz einen Wizz MultiPass sowie den Tarif WIZZ Plus an, die bei häufigen Flügen die Rechnung deutlich verändern.
Auf Basis eigener Erfahrungen und einer Analyse der Tarifstrukturen beider Airlines ergibt sich folgendes Bild. Wer nur eine kleine Tasche unterm Sitz braucht, fährt ab Vilnius und Warschau mit Ryanair fast immer günstiger – das Streckennetz ist dichter und die Grundpreise aggressiver. Sobald vollwertiges Handgepäck und ein gewählter Sitzplatz dazukommen, ist Ryanair mit dem Priority-Paket oft kalkulierbarer und unterm Strich günstiger als Wizz Air, wo sich die Einzelzuschläge summieren.
Aber eine Zahl sollte Sie aufhorchen lassen. Gepäckgebühren und Zusatzleistungen bringen Billigfliegern bis zu 30 % des Gesamtumsatzes – das ist kein Nebenverdienst, das ist die halbe Unternehmensgrundlage. Sie kaufen kein Ticket, Sie betreten einen Upselling-Funnel.
Die praktische Schlussfolgerung ist einfach. Vergleichen Sie nicht die Zahlen auf der ersten Suchergebnisseite – die sind wertlos. Öffnen Sie beide Websites, führen Sie die Buchung bis zum Bildschirm „Zusatzleistungen auswählen" und rechnen Sie alles durch: Gepäck, Sitzplatz, Online-Check-in (der wird ebenfalls gern vergessen). Von Warschau aus fliegt Ryanair häufiger in den Westen Europas, Wizz Air häufiger auf den Balkan und in den Nahen Osten. Der „Sieger" hängt also nicht von der Marke ab, sondern davon, wohin genau Sie fliegen und wie viel Gepäck Sie mitschleppen.
Und noch eins – checken Sie rechtzeitig online ein. Der Aufschlag für den Check-in am Flughafen kann bei beiden Airlines Ihre gesamte Ersparnis mit einem einzigen Gang zum Schalter zunichte machen.
Quellen
- Wizz Air — правила ручной клади и тарифы
- Ryanair — политика ручной клади и Priority
- CAPA - Centre for Aviation — доля ancillary revenue у европейских лоукостеров